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Eva-Infarkt

Ein Mann fasst sich plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust und den linken Arm. Dann bricht er zusammen. Diagnose: Herzinfarkt. Aber nicht immer läuft ein Herzinfarkt nach diesem Muster ab. Schon gar nicht, wenn er eine Frau trifft.

Eine der Ursachen: Frauen nehmen die Symptome eines drohenden Infarktes nicht ernst. Denn anders als bei Männern macht sich der Infarkt bei Frauen selten durch die klassischen und allseits bekannten Infarkt-Symptome bemerkbar: Enge und Schmerzen in der Brust, die bis in den Arm und Hals ausstrahlen. Diese klassischen Symptome treffen bei Männern zu. Bei Frauen kündigt sich der Infarkt mit eher unspezifischen Symptomen an wie unerklärliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot, Herzklopfen und Herzrasen oder kurzzeitige Ohnmacht.

Das Risiko für Frauen, einen Herzinfarkt nicht zu überleben, liegt um ein Drittel höher als bei Männern. Dies liegt vor allem daran, dass oft wertvolle Zeit verstreicht, bevor sie eine adäquate medizinische Versorgung erhalten. Aber gerade beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Während bei Männern vom Auftreten der Symptome bis zur Einlieferung ins Krankenhaus im Durchschnitt 76 Minuten vergehen, sind es bei Frauen durchschnittlich 90 Minuten.

Herzinfarkte bei Frauen werden immer häufiger. Während die Infarktrate bei Männern deutlich zurückgeht, erleiden in Deutschland jährlich gut 130.000 Frauen einen Infarkt. Herz-Kreislauferkrankungen, und hier insbesondere der Herzinfarkt, gehören mittlerweile auch bei Frauen zu den Haupt-Todesursachen in Deutschland. Zwar erleiden Frauen im Schnitt 10 bis 15 Jahre später als die Männer einen Herzinfarkt. Wenn es sie aber trifft, haben sie deutlich schlechtere Chancen, ihn zu überleben.

Frauenherzen schlagen anders

Auch auf Medikamente reagieren Frauen aufgrund ihres unterschiedlichen Hormonhaushaltes und Ihrer körperlichen Beschaffenheit anders. Acetylsalicylsäure (ASS) zum Beispiel wird Herzinfarktpatienten oft verschrieben, um das Blut zu verdünnen und damit einen erneuten Infarkt zu vermeiden. Diese bei Männern in zahlreichen Studien erwiesene Wirkung des ASS scheint bei Frauen viel schwächer zu sein. Experten vermuten, dass dies mit der unterschiedlichen Struktur der Herzgefäße bei Mann und Frau zusammenhängt.

Ein weiteres wichtiges Herzmedikament, das so genannte Digitalis, wird bei Frauen vermutlich oft zu hoch dosiert und kann daher viel häufiger Herzrhythmusstörungen als bei Männern auslösen. Ob die Dosierung, die für Männer gilt, auch bei Frauen zutrifft, wird nach Meinung von Experten viel zu selten untersucht, da Arzneimittelstudien hauptsächlich mit Männern durchgeführt werden. Aus diesem Grund sollten Frauen bei einer Behandlung noch genauer beobachtet werden und der Arzt bei der Dosierung der Medikamente äußerste Vorsicht walten lassen.

Für Frauen und deren Angehörige wichtig zu kennen: Die NAN-Regel

Um einen drohenden Herzinfarkt dennoch zu erkennen, gibt es die so genannte NAN-Regel. NAN stehe für Nase-Arm-Nabel. Nach dieser Regel sind alle plötzlich auftretenden Beschwerden in der Region zwischen Nasenspitze, Arm und Nabel, die länger als 15 Minuten anhalten, verdächtig. In diesem Fall sollten Betroffene nicht zögern, zum Arzt zu gehen.

Das Gefährliche: Zwei von drei Frauen, die einen Herzinfarkt bekommen, klagen zuvor über keinerlei Beschwerden. Sie deuten die Symptome häufig als Infekt, als Magenverstimmung oder als Verspannung und warten erst einmal ab. Das kann gerade bei Patientinnen, bei denen weitere Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes hinzukommen, zum Verhängnis werden. Grund genug, sich über die Symptome des so genannten Eva-Infarktes zu informieren und sie ernst zu nehmen. Und das gilt für Männer und Frauen. Denn wenn schon die Betroffenen die Symptome herunterspielen, sollten wenigstens deren Angehörige aktiv werden. Damit sie denen helfen können, die ihnen am Herzen liegen.

Lesen Sie mehr über Ursachen und Risikofaktoren von Herz-Kreislauferkrankungen. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.herzstiftung.de

Das Informationsangebot auf dieser Seite dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die hier zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss.

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