In der Studie "Praxis Dr. Internet" hat die Central ausgehend von den meistgesuchten Krankheiten der Deutschen ermittelt, wie es um die Qualität der im Internet veröffentlichten Gesundheitsinformationen bestellt ist.

Ein Ärzteteam der Central analysierte insgesamt 100 Ratgeberseiten im Internet nach 24 Kriterien. Zu den Kriterien gehörten unter anderem Vollständigkeit, die Belegbarkeit der Empfehlung nach medizinisch relevanten Quellen und Ausgewogenheit. Das Ergebnis war ernüchternd: Mehr als 30 Prozent der bewerteten Webseiten schnitten mit einem Gesamtergebnis von "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. Über alle 100 Webseiten hinweg wurde gerade einmal die Durchschnittsnote "ausreichend" (4+) erzielt.

"Angesichts der Tatsache, dass etwa 80 Prozent der Internetsurfer Gesundheitsinformationen im Netz suchen, ist dieses Ergebnis mehr als bedenklich", erklärt Dr. Markus Homann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central Krankenversicherung. Hier drohe, so Homann, dass Gesundheitssurfer auf Grundlage falscher Informationen selbst Diagnosen erstellten und sich schlimmstenfalls selbst behandelten.

NoteWie häufig erreicht?
Sehr gut-
Gut9
Befriedigend34
Ausreichend24
Mangelhaft30
Ungenügend3

Bewertet wurden neben Gesundheitsportalen auch Ratgeberinformationen von Unternehmen, institutionellen Einrichtungen und Verbänden. Des Weiteren wurden wegen ihrer hohen Relevanz bei den Internetnutzern auch Online-Lexika berücksichtigt, deren Einträge von den Nutzern selbst gestaltet werden. Unter den Informationsangeboten zu den zehn untersuchten Krankheiten schnitten die Webseiten zu den Themen Magersucht (3+) und Depression (3-) mit der Durchschnittsnote "befriedigend" am besten ab. Enttäuschend: Die Informationen über die übrigen acht untersuchten Krankheiten wurden jeweils nur mit "ausreichend" bewertet.

Ergebnisse für die insgesamt sechs Bewertungskategorien

Bei den formalen Kriterien schnitten die bewerteten Webseiten insgesamt noch am besten ab. So wurde in der Kategorie Transparenz eine Durchschnittsnote von "gut" (2) und in der Kategorie Verständlichkeit ein "befriedigend" (3) erreicht. In der Kategorie Zuordnung rutschten die bewerteten Webseiten ganz knapp auf ein "ausreichend" (4+) ab, fielen jedoch bei den inhaltlichen Kriterien noch weiter zurück.

Vollständigkeit: Durchschnittsnote "ausreichend" (4–)

Innerhalb der Kategorie Vollständigkeit wurden die Variationsbreite an Symptomen und zum Teil auch die Therapieoptionen hinreichend beschrieben. Gleichwohl gab es bei mehr als der Hälfte der Treffer bei der Beschreibung der Therapieoptionen gravierende Lücken. So wurde zum Beispiel auf einer Internetseite zum Thema Diabetes die Insulintherapie erklärt, aber eine der häufigsten Therapieformen überhaupt nicht erwähnt: die medikamentöse Blutzuckereinstellung. Besonders oberflächlich wurde zudem auf allgemein bekannte unspezifische Symptome eingegangen. Bei 71 der 100 Ratgeberseiten fehlten entweder Hinweise auf andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen und auf die Gefahren bei ausbleibender Therapie oder sie waren unvollständig. Vor allem ist sehr bedenklich, dass nur auf knapp jeder dritten Ratgeberseite ein exakter Hinweis darauf zu finden war, wann Betroffene einen Arzt aufsuchen sollten.

Belegbarkeit: Durchschnittsnote "ausreichend" (4–)

In der Kategorie Belegbarkeit fehlte bei drei von vier Seiten der vollständige Beleg der Aussagen durch wissenschaftliche oder andere medizinisch relevante Quellen. Dabei wurde in der Hälfte der Fälle auf jegliche Quellenangabe verzichtet. Zudem waren die beschriebenen Therapien nur unregelmäßig evidenzbasiert und leitlinienkonform und es fehlte in fast allen Fällen ein Hinweis auf den Evidenzgrad. Dieser gibt einen Hinweis darauf, ob die Wirksamkeit einer Therapieempfehlung durch glaubwürdige und aussagekräftige Studien belegt werden kann. Auch auf gültige Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften wurde nur selten hingewiesen. Beispielsweise stellten zwei Internetseiten zum Thema ADHS sehr übersichtlich die Erkrankung mit ihren verschiedenen Symptomen und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten dar, allerdings wurden weder Quellen zum Bezug der Informationen noch zur Wirksamkeit der Therapien angegeben.

Ausgewogenheit: Durchschnittsnote "ausreichend" (4)

Die Darstellungen waren in der Regel frei von weltanschaulichen Einflüssen, allerdings wurde häufig nicht darauf hingewiesen, dass es alternative Behandlungsmethoden gibt und welches Für und Wider dabei zu beachten ist. Ebenso wurden nur selten verschiedene Arznei-, Hilfs- oder Heilmitteloptionen dargestellt, deren Wirksamkeit bei einer Therapie nachgewiesen ist.